Die Problemstellung
Wir möchten Sie mal zu folgendem Gedankenspiel einladen: Stellen Sie sich bitte vor, dass Sie in Ihrer Stadt, wie z.B. Hannover, beliebige Standorte visualisieren und gewichten sollen, die Sie entweder gerne aufsuchen oder andersherum, die Sie eher meiden würden. In Ihrem Kopf entsteht wahrscheinlich jetzt das Bild einer sehr langen, komplexen Liste mit mehreren Spalten. Im ersten Schritt wollen Sie nicht ungerecht sein und begründen ihre Vorlieben auf der einen Listenseite mit Ihrer persönlichen Lebens- und Wohnsituation. Abneigungen zu gewissen Orten auf der anderen Listenseite werden sie höflicherweise eher aus einer neutralen Haltung oder aus einem begründeten Desinteresse heraus formulieren.Kein Mensch kann von Ihnen erwarten, dass Sie in einer Großstadt aus Langeweile, Neugierde oder abstrakter Solidarität jeden möglichen Ort gleichmäßig aufsuchen. Soviel Zeit haben Sie nicht. Wenn Sie aber tiefer in sich hineinhorchen, können Sie sich durchaus Lokalitäten vorstellen, die Sie freiwillig nie aufsuchen oder wo Sie mit Sicherheit niemals wohnen würden. Andere Lagen im Stadtbild lassen Ihr Herz instinktiv höher schlagen und sind für Sie angenehm und positiv besetzt. Wenn alle Bewohner Hannovers gleich denken und empfinden würden, dann wäre es an einigen Stellen zum Wohnen besonders eng, und andere mehr oder weniger unbrauchbare Flächen wären z.B. gut für große Golfplätze oder für Friedhöhe geeignet. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Trotzdem gäbe es bei sehr vielen zu befragenden Menschen eine große Übereinstimmung bei der Auswahl vorteilhafter Lagen und die gleiche Einigkeit bei der Aufzählung von sogenannten Un-Orten, also Lagen, die man eher schnell durchschreiten möchte. Obwohl in einer Großstadt letztendlich überall Menschen wohnen und arbeiten, gibt es dennoch Verteilungsschwankungen. Nun wird man diese Unterschiede mit einer Fülle von topologischen, architektonischen und soziologischen Argumenten reichhaltig und plausibel begründen können, trotz alledem gibt es offenbar so etwas wie eine urbane Muster-Imprägnierung, eine versteckte, gefühlte Stadt-Logik, die über bekannte Beschreibungsansätze hinausgeht. Auch diese Situation ist ihnen bekannt: An einem bestimmten Ort an einer befahrenen Strasse gibt es eine Ecke, die besonders gut floriert. Menschen, Straßenbahnen, Autos, schöne Häuser, alles scheint in sich stimmig zu sein. Auf der gegenüberliegenden Seite oder ein paar hundert Meter weiter ist die Stimmung eine ganz andere, obwohl aus infrastruktureller Sicht kein großer Nachteil erkennbar ist. Ladengeschäfte ziehen sich zurück, Mieter wechseln häufiger, die Sozialisierung leidet. Der Geschäftsslogan tüchtiger Makler lautet seit eh und je: Die Lage, die Lage und nochmals die Lage. Der sogenannte Mikrostandort ist entscheidend. Wie er entsteht, weiß keiner so richtig, im praktischen Leben ist das auch ziemlich egal, da man die Werteigenschaften verschiedener Standorte untereinander z.B. über ihre Marktpreise messen und vergleichen kann. |
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